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Henriette Breymann
– eine Reformpädagogin zwischen Tradition und Moderne

Henriette Breymann
© Henning Kramer 

„Ich habe die ganze Emanzipationsgeschichte in mir durchgemacht. Erzogen als Weib der alten Zeit, angelegt für die Frau der Zukunft, habe ich mich aufgebäumt gegen Herkommen und Natur, bis ich endlich in mir selbst die Lösung der Frage gefunden.“

Diese Sätze schrieb Henriette Breymann im Alter von 42 Jahren an ihren zukünftigen Mann Karl Schrader im Jahr 1870. Ihre Worte zeugen von inneren und äußeren Kämpfen, vom Ringen um den richtigen Weg und von Erkenntnis. Frauen für die „neue Zeit“ bilden und ihnen zu ermöglichen, selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können, Kinder nach ihren Fähigkeiten zu fördern und ganzheitlich zu erziehen, das waren die Ziele Henriette Schrader-Breymanns.

Henriette Schrader-Breymann (1827-1899) zählte im ausgehenden 19. Jahrhundert zu den renommiertesten deutschen Pädagoginnen auf dem Gebiet der Erziehung, vorschulischen Bildung sowie der Mädchen - und Frauenbildung. Sie begann ihre Arbeit in einer Zeit, in der die Inhalte bürgerlicher Mädchen- und Frauenbildung noch ausschließlich auf das Wirken in der Familie ausgerichtet waren. Die Kleinkindbetreuung war in der Mitte des 19. Jahrhunderts die bloße Versorgung der Kleinkinder in Bewahranstalten, es ging noch nicht um vorschulische Erziehung oder ganzheitliche Förderung.

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Das von Henriette Breymann gegründete Pensionat Neu-Watzum am heutigen Neuen Weg in Wolfenbüttel

©Henning Kramer

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Ostseite des Hauses Neu-Watzum 1872

©Henning Kramer

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Henriette Breymann: Aus dem Koch- und Haushaltsunterricht

©Henning Kramer



Vor diesem Hintergrund baute Henriette Schrader-Breymann Ausbildungsstätten für Kindergärtnerinnen und Erzieherinnen auf, u.a. in Wolfenbüttel und Berlin, und veröffentliche eine Reihe von Schriften zur Erziehungstheorie. Mit ihrem Wirken leistete sie einen nicht zu unterschätzenden Beitrag in der Entwicklung der Professionalisierung pädagogischer Berufsarbeit für Frauen und frühkindlicher Bildung. Zugleich ist ihr Lebensweg typisch für viele bürgerliche Frauen im ausgehenden 19. Jahrhundert. Obwohl diese Lebensleistung noch heute als zukunftsweisend und pädagogisch bedeutsam angesehen wird, ist die große Reformpädagogin Henriette Schrader-Breymann fast in Vergessenheit geraten.

Geboren als Pastorentochter, aufgewachsen in ländlicher Umgebung im Harzer Vorland, bekam Henriette Schrader-Breymann ihre entscheidende „Prägung“ durch die Ausbildung zur Erzieherin bei ihrem Großonkel Friedrich Fröbel und fand damit ihr Lebensziel. Der Rückkehr ins Elternhaus folgten erste pädagogische Tätigkeiten, der Aufbau der ersten Erziehungsinstitute in Watzum und Wolfenbüttel, der Umzug nach Berlin und schließlich die Heirat und Gründung des Pestalozzi-Fröbel-Hauses als Erziehungs- und Ausbildungsort für Kinder und junge Frauen.

Henriette Schrader-Breymann verband in ihrer Erziehungstheorie und Bildungspraxis die Erziehung und Bildung von Kleinkindern, Schülerinnen und junge Frauen zu einem einheitlichen ideellen und methodischen System. Dabei ging sie ihren „eigenen Weg“: Sie war nicht nur die folgsame Fröbelschülerin, orientiert am Gedankengut Pestalozzis, sie entwickelte auf Grundlage dieser Ideen ihr eigenes pädagogisches Verständnis und individuelle Didaktik.

Lebenslauf

14.9.1827 Henriette Breymann kommt als Älteste von zehn Geschwistern im Pfarrhaus von Mahlum zur Welt.
1838-43 besucht sie eine Töchterschule in Wolfenbüttel.
1848-52 begleitet sie die jüngere Schwester Marie zu einem Verwandten der Mutter, Friedrich Fröbel, der ihr einen Sinn für ihr Leben als Erzieherin von Kindern aufzeigen kann und sie und ihre Schwester in Dresden und Keilhau zu Kindergärtnerinnen ausbildet.
1853 kehrt Henriette in das Haus ihrer Eltern zurück.
1854 begründet Henriette mit den Eltern und Marie zusammen ein nach Fröbelschen Grundsätzen geführtes Pensionat im Pfarrhaus Watzum.
1857 werden in der nahen Dorfschule Räume gemietet und für den Unterricht an Kindergärtnerinnen eingerichtet. Henriette reist nach Brüssel, Genf und Edinburg, um die Kindergartenarbeit bekannt zu machen und Vorträge über die Ausbildung von Kindergärtnerinnen zu halten.
1864 wird das Pensionat an den Neuen Weg in Wolfenbüttel verlegt. Das Pensionat „Neu-Watzum“ wird gegründet.
1865 hält Henriette vor interessierten Honoratioren in Wolfenbüttel einen Vortrag über die Fröbelschen Erziehungsgrundsätze. Sie lernt Anna Vorwerk kennen.
1866 gründet Henriette als Vorsitzende mit Anna Vorwerk als Kassenführerin zusammen den „Verein für Erziehung“. Der Kindergarten mit der Ausbildung der Kindergärtnerinnen wird in Räume des Wolfenbütteler Schlosses verlegt.
1870 kommt es zum Bruch zwischen Henriette und dem Erziehungsverein. Kindergarten und Kindergärtnerinnenausbildung wandern an den Neuen Weg zurück.
1872 heiratet Henriette den Eisenbahndirektor und Juristen Karl Schrader und zieht mit ihm nach Berlin.
1873-79 wird der Plan für das Pestalozzi- Fröbelhaus entwickelt.
1884 kann das von Karl Schrader gekaufte Anwesen in der Steinmetzstraße bezogen werden. Es enthält eine Koch- und Haushaltungsschule, bildet Kindergärtnerinnen an einer Kinderkrippe, einem Kindergarten, zwei Elementarklassen und einem Hort aus.
1893 findet die Weltausstellung in Chicago statt, zu der Henriette die Ausarbeitung einer Dokumentation zum Thema“ Kleinkinderfürsorge und Frauenbildung“ beaufsichtigt und ihr eine Mappe über das Pestalozzi-Fröbel-Haus beifügt.
25.08.1899 stirbt Henriette.

Ausführliche Informationen über Henriette Breymann

Henriette Breymann - eine Reformpädagogin zwischen Tradition und Moderne [PDF: 141 KB]

Kontakt

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Stadtmarkt 3-6
38300 Wolfenbüttel

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Telefon: 05331 86 -0
Fax: 05331 86 -444
Kulturbuero@
Wolfenbuettel.de

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